Zum „Tag der Deutschen Uneinigkeit“

Ich war nicht weg, nur beschäftigt mit dem Leben. Die Inklusion hat mich vollends aufgesogen. Mein Jüngster ist in die Schule gekommen und der Weg bis dahin war recht lang und kurvenreich, aber davon berichte ich gern in einem anderen Text.

Nun treibt mich der heutige Tag an den Rechner und ich will ein paar Gedanken mit euch teilen, die mich seit einiger Zeit umtreiben. Natürlich hat das was mit dem aktuellen Wahlausgang zu tun und mit der Tatsache, dass Köpfe geschüttelt werden, mitleidig genickt wird und letztlich Probleme weiterhin weggelächelt werden. Und wenn du jetzt noch nicht müde bist, dieses „leidige“* Thema ein weiteres Mal zu erörtern, dann lies doch bitte weiter.

Die Schuld im Osten zu suchen ist genauso einfach, wie die Schuld beim Flüchtling zu suchen -aber halt, ich greife vorweg. Um zu verstehen, warum der allgemeine Ostdeutsche sich entschließt die AfD zu wählen, muss man am Anfang anfangen. Und ich habe so die Vermutung das der Anfang weit zurück in den 90ern liegt.

Bevor die Mauer gefallen ist, sind viele bewundernswerte Menschen auf die Straße gegangen**, um für ihre Reisefreiheit zu demonstrieren. Selbstbewusst und geschlossen wurde demonstriert und es wurden immer mehr, die da mitgelaufen sind und einander eine Stimme gegeben haben. Die Menschen haben sich mit ihrem Land, mit ihren Nachbarn, ihrer Arbeit oder ihrer Familie identifizieren können – ihren Idealen und haben ihren Stolz auf die Straße getragen. Das war verdammt mutig und so verdammt richtig und am Ende haben sie mehr bekommen, als sie ursprünglich wollten.

„Die Mauer muss weg!“*** Und das ging dann auch schwuppdiwupp – und für Viele von uns, die den Mauerbau 61 oder sogar den ersten Aufstand 53 nicht miterlebt haben, ist ein Weltbild zusammengebrochen – nicht zwangsläufig eins, hinter dem wir hundertprozentig standen, soweit will ich gar nicht gehen, sondern das Einzige, dass wir kannten!

Die Welt wurde auf den Kopf gestellt, alles war so schön bunt und roch so gut.

„Ja,ja, der Trabbi stinkt -der muss weg, Heinz, sonst merkt noch eener, das wir aus´m Osten sind.“.. „Boah, haste die Nack´chen gesehen, uff dem Häfft? Müss´ma mal eens mitnähm, damit ma mal wissen, wie dit hier so oft!“ *giggel* *kaputtkicher*

Und da dauert es natürlich nicht lang, dass der westdeutsche Mitbürger anfängt, den aufgedrehten, mitteilsamen Ostdeutschen zu belächeln.

Anfangs….nach Solizuschlag, und Steuerbelastung für den Westen war das dann auch vorbei. Von Steuerverschwendung war da die Rede. Alles Geld wandert in den Osten. Da wurden von westdeutschen Unternehmen, mit westdeutschen Führungspersönlichkeiten Verträge geschlossen und unterzeichnet, im Osten Gewerbegebiete, Kläranlagen etc. zu bauen, die Gemeinden versorgen sollten, die das Angebot gar nicht abnehmen konnten. Na, macht ja nix. Müssen die eben das, was zu viel ist bezahlen. Ganz einfach, Unterschrift drunter, Deckel drauf, eine weitere Existenz ganz leicht bedroht.

Ich bin nicht allein mit der Meinung, dass alles viel zu schnell ging. Vielleicht hätten die, die an den Hebeln sitzen, langsamer drücken sollen – oder vielleicht hätte ihnen jemand auf die Finger klopfen sollen. Da, genau da hätte man doch schon mit Inklusion anfangen können (auch wenn das Wort damals noch kein Mensch kannte – egal, wäre sowieso nur ein weiteres Neues gewesen, immer nur her damit!) Inklusion! Und zwar auf beiden Seiten! Verdammt nochmal, nix „Scheiß Ossis“ und nix „Scheiß Wessis“! Merkt denn keiner, was uns angetan wurde? Auf beiden Seiten? Ist es so leicht, zu vergessen und die Schuld jemanden zu geben, der sich eigentlich gar nicht wehren kann?

Im Osten hätte man verstehen müssen, was Kapitalismus bedeutet und wie der Westdeutsche aufgewachsen ist und vor allem, mit welchen Ängsten er gelebt hat. Und im Westen hätte man verstehen müssen, wie wir Ostdeutsche aufgewachsen sind und welche Ängste wir hatten – und natürlich warum. Westdeutsche Firmen hätten zurück gehen können an Ihre alten Stammsitze im Osten – haben aber viele nicht getan. Tja, Pech, Infrastruktur futsch – aber ich habe weder Wirtschaft noch Politik studiert und will mich da nicht mit meinem niedlichen Halbwissen zu weit aus dem Fenster lehnen.

Ich versuche lieber zu verstehen, warum gerade im Osten die Wut soviel größer ist, als im Westen – denn das fällt mir leichter als Ossi.

Nachdem die Wiedervereinigung nicht so lustig war für die Meisten, wie erhofft, kam schnell eine „Ostalgie“ auf. Was heißt das genau? Uns wurde das einzige Land, das wir kannten unterm Hintern weggerissen und erklärt, dass alles aus diesem Land maximal lächerlich war****. Womit sollte man sich da noch identifizieren? Ich war kein Pionier mehr, ich war keine Freundschaftsratsvorsitzende mehr, meine Lieblingslehrerin war nicht mehr Pionierleiterin und mein autoritärer Schuldirektor war nur noch irgendein Lehrer, von dem man munkelte, er sei bei der Stasi gewesen*5 Die Arbeit als Produktionsleiter und Kadermitglied war hinfällig, da das Werk privatisiert/ verkauft/ geschlossen/ von 5000 auf 200 Mitarbeiter verkleinert wurde…du mit etwas Glück eine ABM – Maßnahme bekommen hast (die sich in etwa anfühlen muss, wie ein FSJ – autsch, sorry, das war böse) Versagt! Versagt! Versagt! – ist das Gefühl, was dahinter steht. Ich glaube, mehr Beispiele braucht ihr nicht, wir haben es jetzt in Etwa, worauf ich hinaus will. Die Identität. Die war weg, weggelächelt schlimmstenfalls. Da kann man schonmal wütend werden. Und wenn dann die eigenen Kinder weggehen oder scheitern an der neuen Welt, die Versuchungen zu groß sind, dann sucht man einen neue Identität. Und die liegt oft in einem ostalgischen Osten, den es so eigentlich nie gab. Ist schon komisch -aber diese Verklärtheit kann man auch bei Türken, Italienern etc. erleben und nachfragen, die die Heimat verlassen haben.

Ein weiterer Gedanke neben aller Ostalgie ist die mangelnde Toleranz dem Fremden gegenüber im Osten. Woher kommt das verdammt nochmal? Es kann mit dem Meeresspiegel zusammenhängen, mit der Luftfeuchtigkeit, oder auch damit, dass dem gemeinen Ostdeutschen vier Jahrzehnte lang einen Meinung doktriniert wurde. Kam jemand daher, der anderer Meinung war, dann war das falsch und derjenige wurde bestenfalls weggesperrt. Hat Heinz nach dem dritten Schnaps rumschwadroniert, dann hat Hilde gesagt: „Höre uff! Dit darfst´e doch noch nich mal denken! Wenn dis eener hört, dann hol´n Die dich ab!“ Andersdenkende waren falsch. Sie haben nicht ins System gepasst und haben die Aufrechterhaltung des Systems gestört und mussten beseitigt oder entstört werden.

Kurz gesagt, Toleranz haben wir im Osten nicht gelernt. Und nun stelle ich mir vor, ich sitze da, mein Mann zum 10ten Mal arbeitslos oder die ixte Zeitarbeitsstelle, mein Sohn Frank hat es geschafft, der ist zum Glück CNC Schweisser – die sind gefragt, aber Frank kommt schon lange nicht mehr nach Hause, nachdem es mit der Susan nicht geklappt hat, der ist irgendwo in der Weltgeschichte. Die Conny sitzt an der Supermarktkasse, verdient das Geld für eine vierköpfige Familie, und der Mario, ihr Versager von einem Ehemann, macht auf´m Bau nur den Hilfsarbeiter, weil er nach der Wende verpasst hat, dass die „mittlere Reife“ in 25 Jahren weniger Wert ist, als ein Fliegenschiss.

Auf wen höre ich? Höre ich auf den, der mir sagt: „Wir schaffen das!“ oder höre ich vielleicht auf den, der meiner Wut und meinem Frust eine Stimme gibt. Schön laut brüllt, Phrasen drischt auf Teufel komm raus, die erstmal schön und verständlich für mich klingen. Ja, genau! Und dann machen die auch noch genau das, was das „Tüpfelchen auf dem i“ ist. Sie präsentieren mir einen Schuldigen, sie präsentieren mir ein Feindbild. Jemand der ANDERS ist, etwas ANDERES glaubt und FREMD ist. Er schürt meine Angst und somit meine Ablehnung. Verstehen? Brauch ich nicht. Ich lehne alles Fremde ab.

Es ist so schön einfach! Die Flüchtlinge bieten sich so schön an, die kommen mit all ihrer Fremdheit hierher und tragen die Zielscheibe*6 direkt auf der Brust.

Dabei sollte sich die Wut, oder zumindest die Bereitschaft, etwas bewegen oder verändern zu wollen ganz anders entladen. Ich nehme es unserer Regierung übel, dass keine Aufklärung in Punkto Flüchtlinge betrieben wurde. Ich nehme es unserer Kanzlerin ganz besonders übel, dass sie einfach nichts gesagt hat, als die Leute sich über Flüchtlingsheime beschwert haben. Ich nehme es ihr übel, dass Sie alle Probleme, die wir im Land haben weglächelt, wegnickt, und aussitzt (wie von Kohl gelernt). Wir sind längst darüber hinaus, uns belächeln zu lassen.

Verdammt nochmal! Statt die Schuld bei Menschen zu suchen, die Nichts für unserer Situation hier können, sollten wir aufstehen und uns demokratisch geschlossen gegen eine profitgesteuerte Regierung stellen, die aufgehört hat uns ernst zu nehmen, die aufgehört hat, Ost und West zu einen.*7 Das ist keine Demokratie in meinen Augen. Hass auf Andere ist keine Option, denn Hass erzeugt nur Hass. Diese Welt ist nicht mehr viel wert, wenn wir uns nur gegenseitig hassen oder uns gegenseitig die Schuld zuschieben.

Steht auf! Versteht! Diskutiert! Und verdammt nochmal, lasst euch nicht belächeln! Wir alle haben unsere Geschichte! Genau! UNSERE! Wir sind EINS! Auf beiden Seiten! Ein Deutschland! Ich glaube an uns! Für die Demokratie, für Deutschland, für meine Familie und meine ostdeutsche/ ostfriesische Ehe!

Für ein vorwärtsgerichtetes, einiges Deutschland

eure Katja

*leidlich sollte es uns alle eine ganze Menge angehen

**-ich habe es damals nicht wirklich verstanden, ich war viel zu ländlich aufgewachsen und mit 12 Jahren auch noch zu jung

***ja, bitte bitte, endlich auch in den Köpfen!

****pathisch gesprochen, um dem damals aktuellen mehrheitlichen Empfinden Ausdruck zu verleihen.

*5 Viele DDR Bürger wurden in die Stasi unter Androhung von Sanktionen gezwungen. Das konnte zum Bespiel bedeuten: Verweigerst du den Staatssicherheitsdienst

*6 ja, der war Absicht

*7 wirtschaftlich wird das inzwischen niemals aufgeholt werden können, machen wir uns nichts vor.

 

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Ein gutes Neues Jahr! 

Ich wünsche euch allen ein gutes und gesundes Jahr 2017! Stürzen wir uns wagemutig in neue Abenteuer und machen wir das Beste aus dem, was sie zu bieten haben!   Alles Liebe wünscht euch eure Katja von KallokAii 

Wollige Sache…

Guten Morgen zusammen,

die neue Woche inspiriert mit düsteren Farben. Wie wäre es passend zur bevorstehenden Halloweenparty mit dezenter Deko die man auch noch das ganze Jahr über verwenden kann. Sehr praktisch!

 

Jede Filzkugel handgefilzt aus Merinowolle – viel kugelrunde freudige Arbeit – denn Bubbles machen glücklich!

Kullert gut in die neue Woche

eure Katja von KalloKAii

 

Hexenmäßig halloweenig….

Hallo zusammen,

ich persönlich habe ja nie verstanden, warum wir jetzt in Deutschland auf einmal Halloween feiern und dem Kommerz wieder die Möglichkeit geben uns auszubeuten. Anderseits schlagen ja mehrere Herzen in meiner Brust die sich ständig widersprechen. Stellt Euch mal mein tägliches Dilemma vor – immer mit sich selber streiten! …;-) Dennoch komme ich nicht umhin, zuzugeben, dass ich ein riesiger Gruselfan bin – ich liebe die japanischen Horrorfilme – die regelmäßig von den Amerikanern adaptiert werden  und doch nie an das verstörende  und so fremde Original heranreichen.

Jetzt bin ich über´s Ziel hinaus geschossen – denn bisher spiegelt sich diese Neigung nicht in meiner Arbeit wieder…zum Glück?!

Des Weiteren bin ich eine große Bewunderin von Tim Burton, dessen Stil ich unglaublich ästhetisch uns inspirierend empfinde und ich gebe zu, dass sich das mitunter in meiner Arbeit erkennen lässt.

Ob da der Postmann zweimal klingelt?….(für den Praxistest im Shop erhältlich 😉 )

Muhaha,

eure Katja von KalloKAii

Hallo zurück!

Liebe Blogger-Gemeinde, Follower, Interessierte und Verwandte ;-),

meine Güte, war ich lange weg…was nicht bedeutet, dass ich untätig rumgesessen habe…obwohl, gesessen habe ich viel – gesundheitsbedingt – aber ich schweife ab.

Zuallererst möchte ich alle neuen Follower herzlich willkommen heißen! Danke, das Ihr dabei seid – ich für meinen Teil bin begeistert! Und allen schon da gewesenen möchte ich sagen, toll, dass Ihr noch dabei seid. Ihr seid inspirierend und großartig!

Ich widme mich zur Zeit den verschiedensten Materialen aus Kleister, Wolle, Farbe und Garn.  Dabei entstehen schöne Accessoires für Dich und Dein Zuhause, für jeden Anlass

Ein Beispiel:

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Hexe mit Fledermäusen

Ich freue mich, wenn Euch die Sachen gefallen. Der Shop wird sich stetig füllen und ich zeige hier gerne, was es Neues gibt.

Auf Gänsehaut und Entenpelle

eure Katja von KalloKAii

 

Eine Geschichte für den Sommer …

…und für eure Kinder! Für alle, die es verpasst haben, hier nochmal der Link zu meiner neuesten Kindergeschichte „Der kleine Matrose“.

Meine Geschichten sind (größtenteils) auf meinem YouTube – Kanal kostenlos und werbefrei anzusehen und eignen sich für Kinder im Kindergartenalter, Grundschüler, Kindgebliebene, Neugierige, Ja-Sager, Nein-Sager, Pessimisten, Realisten, Optimisten, Turnbeutelvergesser und Tiefseetaucher.

Des Weiteren muss ich darauf hinweisen, dass Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen auftreten können. Wenn dir der Ritter Schlaflos gefallen hat, ist es gut möglich, dass dir auch der kleine Matrose gefällt. Wenn dir aber die Wunderhelden gefallen haben, kann es sein, dass du vergessen hast, den Adventskalender zu öffnen. Wenn nichts davon dein Geschmack trifft, ist morgen Freitag und Tinka für Erwachsene ist am Wochenende.

Eure Katja von KalloKAii

Helden auf die Tageskarte!

Für alle großen und kleinen Comic-Liebhaber im Sinne von Superkräften mit einem Hauch James Bond empfehle ich heute die Wunderhelden! ( tataaa, Konfettiregen!)

Achtung! Nebenwirkungen:

Lesen kann süchtig machen! Eltern haften für ihre Kinder! Das Aneinanderreihen von Buchstaben kann zu ganzen Sätzen mit sinnhaftem, wissenvermittelndem, nützlichem oder poetischem Inhalt führen. Bei längerem Konsum können ganze Geschichten auftreten. Unter Umständen verbessert es die Sprache, Rechtschreibung und Grammatik. In Einzelfällen führt Lesen bis zur Kommunikation mit anderen Lesern.

2016 a4 titel wh

In diesem Sinne bin ich süchtig

Eure Katja von KalloKAii

Der kleine Matrose – eine 7 Minuten Geschichte

Nachdem ich die Geschichten von „Ritter Schlaflos“ in Eigenregie als Book on Demand verlegt hatte und zusätzlich ein Video gedreht habe, um es so vielen kleinen Bücherwürmern wie möglich zugänglich zu machen, wollte ich mit meiner zweiten Geschichte dasselbe machen.

Ich kalkulierte hin und her, um all die Seiten in einem großformatigen Hardcover unterzubekommen, denn dass sollte es sein: eine Geschichte, die durch ihre großen und perspektivischen Bilder mit wenig Text besticht. Und ich wollte auf kein Bild verzichten.

Leider sprengten die Kosten den Rahmen und ich startete in diesem Jahr noch einmal einen Versuch mit ein paar ausgewählten Verlagen, denen ich meine Geschichte vorstellte. Aber wie ich schon erwartet hatte, wurde daraus nichts. Ich mag den Matrosen und es wäre doch zu schade, wenn er auf ewig durch meine Schubladen schippern muss. Lassen wir ihn in See stechen und erfreuen wir uns an dem kleinen Abenteuer!

Ich freue mich riesig, wenn Ihr an 7 bunten, maritimen Minuten Spaß habt und die Geschichte euch vielleicht sogar in Urlaubsstimmung bringt.

Du möchtest ein Druckexemplar erwerben? Dann schick mir bitte eine eMail an:

Katja.fokken@arcor.de