Die Mauer muss weg!

Hallo ihr Mauerblümchen hätte ich jetzt fast gesagt, weil es so schön zum Titel passt, aber eigentlich nur ein „Hallo“ und Lebenszeichen von mir. Ich war lange weg und bin noch nicht richtig wieder hier, aber vielleicht gehöre ich zu der Sorte Blogger, die ab und an mal abtauchen müssen für ihr kreatives Schaffen, wer weiß das schon so genau.

Hier gibt es nichts zu sehen! – soll heißen: Heute gibt es keinen malerischen Beitrag von mir, dafür aber zur Feier des Tages einen impressionistischen Ausflug 25 Jahre in die Vergangenheit.

Ich kann mich noch sehr genau an den ersten Tag der deutschen Einheit erinnern, obwohl das Ganze ja ein Jahr vorher schon sowas wie Realität war. Ich bin mit meiner besten Freundin um die Häuser gezogen, wir haben gesungen und uns später feierlich in ihr Zimmer zurück gezogen, um uns von unseren Wünschen und Träumen zu erzählen. Ich erinnere mich auch an die verhaltenen Gesichtsausdrücke der polnischen Gastarbeiter, die das ganze Jahr in unserem Dorf untergebracht waren, um in der benachbarten Papierfabrik zu arbeiten, die damals rund 3000 Mitarbeiter zählte. Die Polen waren eigentlich immer gut drauf, sie haben viel gefeiert, gehörten dazu und oh man, haben wir uns immer auf die Sommerferien gefreut, wenn deren Kinder zu Besuch waren.

Irgendwie haben wir die Veränderung gespürt und ich saß in diesen Tagen manchmal auf den Heizungsrohren, die sich rund um unseren Block zogen. Die Polen würden gehen und unser Dorf würde etwas ruhiger werden. Das hat mich traurig gemacht.

Ich hatte eine schöne Kindheit im Osten. Gut, da war die Sache mit den Pioniernachmittagen, den Halstüchern und dem Fahnenappell, was immer etwas zwanghaft wirkte – aber es war normal und gehörte einfach dazu. Und irgendwann hatte einer die geniale Idee, mich als Freundschaftsratsvorsitzende vorzuschlagen – ich weiß bis heute nicht, wie das passieren konnte und was eigentlich genau mein Job war.  Wahrscheinlich war meine Klassenlehrerin der Meinung, dass meine große Klappe zu irgendwas gut sein müsse…

Ich hatte nun also drei rote Balken am Ärmel meiner Pionierbluse, trug mein rotes Halstuch und wenn ich besonders mutig war, sogar mein Käppi. So stand ich dann also  beim Fahnenappell neben der Pionierleiterin, der FDJ – Vorsitzenden, dem Direktor und den Fahnenträgern und nahm jeder einzelnen Klasse bis zur siebten den Appell ab. Die Gruppenratsvorsitzenden der einzelnen Klassen traten zu diesem Zweck nacheinander vor ihre Klassen, sagten: „Für Frieden und Sozialismus seid bereit“, die Schüler antworteten „Immer bereit!“ und der Gruppenratsvorsitzende trat vor mich und sagte: „Ich melde die Klasse….ist vollständig zum Appell angetreten“

Ich erwiderte den Pioniergruß und murmelte irgendwas in der Art wie: „Rührt euch!“ Ehrlich, ich habe bis heute keinen Schimmer, was ich eigentlich hätte sagen müssen! Stimmt das? War das richtig? Kann mir das mal jemand sagen? Ich habe mich damals nie getraut zu fragen und vor den Augen der ganzen Mitschüler hörte ich auch kaum, was die einzelnen Schüler da vorn zu mir sagten, so rauschte mir jedes Mal vor Nervosität das Blut in den Ohren. Wäre schön, wenn sich jemand daran erinnert. Denn nachdem mir erklärt wurde, dass ich jetzt Freundschaftsratsvorsitzende bin und regelmäßig beim Fahnenappell vorn stehe sowie an diversen Versammlungen teilzunehmen hatte, wußte ich nicht viel über diesen Job.

Es ist natürlich auch möglich, dass  mir jemand ein offizielles Schreiben mit wissenswerten Hinweisen in die Hand gedrückt hat, aber vergessen hat mir ans Herz zu legen, dass Papier auch zu lesen – ich habe mich früher immer schwer getan, Fachliteratur zu lesen. Das legt sich langsam.

Aber sonst ging es uns gut! Auch ohne den ganzen Konsum, den wir uns so gewünscht haben. Neulich habe ich erst gelesen, dass Konsum unglücklich macht – stimmt also alles gar nicht mit dem „glücklich kaufen“ – die Auswahl macht unglücklich, heißt es und ich ich glaube, da ist auch was dran.

Wir waren freundlicher und hilfsbereiter als heute – aber ich glaube, das hat nichts mit Ost- oder Westdeutschland zu tun, es hat sich einfach so entwickelt und ich glaube, auch in Westdeutschland war man in den 70ern und 80ern eher bereit seinem Nachbarn zu helfen, statt sich über ihn zu beschweren.

Ich wünsche mir wieder mehr Freundlichkeiten im Leben – aktuell in unserem vereinigten Deutschland. Weniger Vorurteile wären super. Mehr Miteinander und weniger Gegeneinander, mehr Toleranz und einfach ein paar Höflichkeiten. Das geht ganz einfach – sollte man meinen.

Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, selbst fremde Menschen zu grüßen oder wenigstens anzulächeln. Das hört sich leichter an als es ist. Versuch das mal – ich wohne in Offenbach am Main! Aber ich gebe nicht auf und werde auch dem letzen Offenbacher ein Lächeln abringen und wenn ich ihn zu seinem Glück zwingen muss!

Was ist schon dabei? Seid höflich zueinander oder bricht euch etwa ein Zacken aus der Krone, wenn ihr wenigstens die müde Flosse hebt, weil euch der freundliche Autofahrer die Vorfahrt gelassen hat? Bitte, Danke, Tür aufhalten, Hände aus den Taschen, guten Tag, guten Weg – das tut doch nicht weh! Im Gegenteil, man merkt ganz schnell, wie sich die eigene Laune bessert und auf die Mitmenschen abfärbt. Ich glaube fest daran und freu mich über jeden, der es auch so sieht.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen wunderschönen Tag der Deutschen Einheit – auf die nächsten 25 Jahre und mein besonderer Dank richtet sich selbstverständlich an David Hasselhoff.

Seid euch einig!

Eure Katja von KalloKAii

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